Heute über Mittag hat meine Mutter eine Diskussion entfacht, welche die Kommerzialisierung des Films zum hatte. Sie hat mir erzählt, dass eben gerade drei Junge Leute aus Romanshorn in dreijähriger Privatarbeit einen Film mit einem 10’000 Franken Budget realisiert hätten und dieser nun am Zürcher Filmfestival läuft. Das hat mich irgendwie gefreut, weil ich schon immer Fan von Projekten mit Herzblut war.
Nun, irgendwie hab ich dann den Bogen zu Hollywoodfilmen geschlagen, die teilweise sämtliche Dimensionen von Gut und Böse sprengen, wenns ums Finanzielle geht. Schlusspunkt der Diskussion war, im Groben zumindest, dass es nach wie vor Regisseure gibt, die aus Leidenschaft drehen und andere wiederum, um ordentlich Kohle zu scheffeln. Natürlich gibt es Zwischenstufen, und letzteres möchte ich auch überhaupt nicht schlechtreden, trotzdem ist ein gewisser Zusammenhang mit Begriffen wie Bauernfängerei oder Profitgedanke nicht auszuschliessen und stösst bei mir unter Umständen ziemlich sauer auf.
Will man ernsthaft mit Filmen Geld verdienen, sollte man vielleicht mal bei James Cameron klingeln… denn sein letzter Output, Avatar, ist für mich ein Paradebeispiel von einer sicheren Hollywood-Geldmaschine. Ok, nichts gegen Cameron, er hat uns den Terminator geschenkt (bei welchem übrigens teilweise aus Geldmangel echte Glasscheiben verwendet wurden, die Arnie zertrümmern musste) und hat mit Avatar sicher einen Lebenstraum erfüllt, aber… tja und das wär jetzt halt eben das berühmte «aber».
Cameron hatte für Avatar ein unglaubliches Budget, welches er dazu nutzen konnte, seine revolutionäre 3D-Technik, die er schon seit geraumer Zeit propagiert hatte, optimal einzusetzen. Somit stand er schon mal auf technisch sehr hohem Niveau. Und es muss wohl zugegeben werden: Avatar ist ein optischer Leckerbissen!
Soweit sogut, die Story hingegen ist aber allerdings fader als fad. Ich möchte jetzt nicht näher darauf eingehen, aber der Plot und die Charaktere sind ein grauenhafter Witz in meinen Augen. Stumpf, stereotyp, einfach, emotional und doch actionreich, das sind alles Elemente, die den Film ausmachen. Und genau mit solchen Attributen kann man halt ein möglichst breites Publikum zufriedenstellen. Leicht verdaubare Kost, visuell ein Kracher, mehr ist Avatar ja eigentlich nicht wirklich. Trotzdem ist der Film der erfolgreichste überhaupt und hat mehrere Milliarden eingespielt!
Dass dann noch jenste verschiedene Special Editions von DVDs und Blurays rauskommen, war klar. Die längere Fassung, die jetzt wieder ins Kino kommt, finde ich allerdings ein wenig seltsam.
Ob Marketing, oder nicht, es scheint mir, als ob Cameron den Film bewusst auf die richtige Schiene geleitet hat, damit dieser wie eine Bombe einschlägt und satt die Kassen füllt.
An der Stelle vielleicht nochmals: nichts gegen Avatar! Ich mag den Film, finde ihn sogar richtig gut! Halt einfach als simple Popcornunterhaltung mit grandiosen Effekten… ich hab ihn einmal gesehen und bereue es nicht. Den Gang zum cineastischen Highlight zu erküren, wäre allerdings überhaupt nicht angebracht, weil das gewisse Extra, die Liebe zum Film in meinen Augen fehlt.
Und hier möchte ich den Bogen zum anderen Typ Regisseur schlagen: diejenigen Idealisten, die einfach machen, was sie wollen. Ohne Rücksicht auf die breite Masse.
Nehmen wir zum Beispiel David Lynch. Seine Filme gehören in die Sparte, so nenn ich sie zumindest, «Mindfuck». Wenn ich mit Filmen und deren künstlerischem Fundament nicht viel anfangen kann, dann werde ich Lynch hassen und seine Werke nicht begreifen können. Das sei niemandem übel genommen, es ist absolut legitim, wenn man als Gelegenheitsfilmgucker Sachen wie Lost Highway oder Mulholland Drive nicht toll findet. Allerdings ist das Lynch wohl ziemlich egal, weil es sind Filme, die seiner fantastischen Vorstellung entsprechen, Rechenschaft ist er dabei niemandem schuldig.
Oder nehmen wir Ed Wood! Sein Lebenswerk besteht aus schlechten, wirklich sehr schlechten, Filmen. Plan 9 From Outer Space wurde einst zum miesesten Film überhaupt gekürt. Dass all seine Streifen heutzutage Kultstatus haben, sei dahingestellt, Fakt ist, dass Ed Wood zu seinen Lebzeiten immer völlig überzeugt von seiner Arbeit war. Er stand hin und sagte der Welt: “Meine Filme sind grandios!”. Ich denke, wenn jemand so viel Überzeugung in seinem Schaffen hat, dann ist nebst einer Spur Wahnsinn definitiv eine unglaubliche Energie und Liebe zum Filmdrehen im Spiel. Ed Wood war ein leidenschaftlicher Fanatiker, der sein Leben dem Film verschrieben hatte. Er dachte halt einfach nur, dass nicht er derjenige mit dem schlechten Geschmack war, sonder alle Anderen.
Aber genau diese Art von Regisseuren machen die Kinowelt doch so interessant! Man wird in 10 Jahren kaum noch von Avatar und seinen Bombasteffekten sprechen. Über die möglichen Lösungsansätze eines Lost Highway wird man allerdings noch immer grübeln und über die saudummen Dialoge eines Plan 9 From Outer Space wird man noch immer lachen können, wenn sie zum Gesprächsthema werden.
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