Oktober 18, 2010 0

The Social Network

Von in Meinung

The Social Network

Facebook, für mich steht die Plattform seit jeher für die Macht, die im Internet steckt. Eine im Prinzip simple Idee animiert abermillionen von Benutzern, aktiv zu werden. Facebook ist ein Dominator im Web, ein Phänomen der etwas speziellen Art und daher auch guter Stoff für eine Verfilmung. Voilà: The Social Network von David Fincher.

Fincher beleuchtet hauptsächlich die Entstehung von Facebook. Sprich, am Anfang wird der Harvardstudent Mark Zuckerberg auf dem Campus begleitet. Irgendwie ist er einer dieser typischen Loser: Nerd, schräg drauf und beziehungsunfähig. Doch was dem Jungen an Sozialkompetenz fehlt, macht er mit ordentlich Grips wieder wett. Seine Seite facemash.com, die dazu dient, Studentinnen an ihrer «Hotness» zu beurteilen und zu vergleichen, legt wegen rapidem Besucherzuwachs das gesamte Uninetzwerk lahm. Dies wiederum ruft die beiden Ruderprofis Cameron und Tyler Winklevoss auf den Plan, die mit Zuckerberg ein soziales Netzwerk für Harvard erfinden wollen. Dumm nur, dass Mark die Sache selber in die Hand nimmt und kurzerhand The Facebook ins Netz stellt. Von hier an nimmt alles seinen pompösen Lauf: das Netzwerk wächst und wächst, sein ehemaliger Mitfinanzier und bester Freund Eduardo Saverin fällt der Expansion zum Opfer, worauf er Klage erhebt. Selbiges tun auch die Winklevoss-Brüder, wegen gestohlenem, geistigen Eigentum.

Die Story basiert mehr oder weniger auf dem Buch «Milliardär per Zufall», in welchem Mark Zuckerberg ordentlich sein Fett wegkriegt. So wird denn auch im Film gezeigt, dass Mark ein selbstsüchtiger, ignoranter Eigenbrödler ist und um die Entstehung von Facebook viele weitere Geschichten um Betrug, Lügen, Sex und ausschweifenden Parties geschrieben wurden. So kommt es auf alle Fälle ans Publikum… wie das Ganze wirklich passiert ist, weiss wohl niemand so genau.

Das schöne am Film ist, dass die Story topaktuell ist und nicht nur irgendwelche Insider betrifft. Nein, Facebook geht uns doch alle in irgendeiner Form etwas an. Wir alle benutzen es täglich und können uns damit identifizieren, das macht den Film sehr glaubwürdig und realitätsnah.

Ich war von Anfang an sehr gespannt und ging vielleicht sogar mit einem kleinen bisschen Missmut ins Kino, da ich Fincher viel zutraue, er aber mit seinem letzten Film (The Curious Case Of Benjamin Button) in meinen Augen ein ziemlich faules Ei gelegt hat und die Thematik um eine Internetplattform nicht gerade ein Unterhaltungsfeuerwerk bietet.

Schon in den ersten fünf Minuten musste ich mich eines Besseren belehren lassen! The Social Network besticht durch ausserordentlich viel Drive, einen durchs Band gelungenen Soundtrack, glaubwürdige (wenn auch stellenweise arg überzeichnete) Schauspieler und eine astreine Schnitttechnik. Die Sprünge von den Anfangszeiten zu den Gerichtsverhandlungen, und wieder zurück, finde ich spitze!

Eine besonders gelungene Szene finde ich, wo man die Winklevoss-Brüder beim Ruderduell sieht. Sehr hektisch und überaus speziell geschnitten. Eine Einstellung, die kontrastreicher nicht hätte sein können… genau wie der Filmaufbau und die Erfolgsgeschichte von Facebook auch.

Und wenn wir schon bei den Winklevoss-Brüdern sind: herrliche Inszenierung von archaischen, durchtrainierten, superreichen Schönlingen, die sich von einem schusseligen Nerd bezwingen lassen. Will uns Fincher damit sagen, dass die Zukunft den Techies gehört? Vielleicht…

Lange Rede, kurzer Sinn: The Social Network ist, gerade in der heutigen Zeit, ein Pflichtfilm! Ob die Story teilweise ordentlich gepfeffert wurde und ob alles wirklich so stimmt, wie es gezeigt wird, sei dahingestellt, vielleicht macht es den Steifen ja genau darum so sehenswert.

(4.5/5)

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