Argh, was war das? Ach so, ein menschlicher Tausendfüssler, alles klar!
Ich hab ja schon einiges über die Leinwand flimmern sehen. Viel durchaus krankes Zeug, viel verstörendes, zermürbendes. Böse Zungen würden behaupten, ich sei sogar ein wenig abgestumpft. Was The Human Centipede abliefert, setzt irgendwie ziemlich weit oben an, was die Abartigkeitsskala betrifft (welche ich übrigens offiziell nur wegen dem Film hier einführe).
Eine kleine Anekdote zum Beginn: den Film habe ich mir aufgrund der Aussage eines Kollegens, er sei witzig, angeschaut. Ich werde demnächst wohl mal ein Wörtchen mit ihm sprechen müssen.
The Human Centipede ist keine Sekunde lang witzig! Er ist nicht mal wirklich brutal (was die Effekte anbelangt), er ist auch nicht gruselig. Er ist einfach nur knallhart, total widerlich und absolut krank! Nichts desto trotz kann man dem Film auch durchaus etwas Positives abgewinnen.
Nun, die Story ist eigentlich nicht spektakulär, da fast nichts nennenswertes passiert. Am Anfang sind die beiden Amifreundinnen, die einen Trip durch Europa machen und gerade in Deutschland verweilen. Die Charaktere sind stereotyp, die Szenen richtiggehend kitschig und man kriegt das leise Gefühl, dass hier ein 08/15-Teenieslasher aufgebaut wird. Denkste!
Die beiden Mädels geraten schon bald in die Fänge von Dr. Heiter, nachdem ihr Auto eine Panne erlitten hat. Abgelegen im Nirgendwo haust dieser Dr. Heiter und nimmt die Hilfesuchenden auf. Dass eben jener Doktor ein total degenerierter Sadist ist, kann man ja nicht ahnen.
Dr. Heiter hatte früher erfolgreich siamesische Zwillinge getrennt und nach seiner Pension sieht er sein Ziel darin, seinen Beruf mal in die andere Richtung anzuwenden: Menschen vereinen!
Bald schleppt er ein drittes Opfer an und somit steht seinem Projekt nichts mehr im Wege. In professioneller Chirurgiearbeit näht er die drei Menschen zusammen, verbunden durch das Verdauungssystem bilden sie nun eine Einheit. Ein Tausendfüssler aus Menschen.
Ok, bis dahin ist der Film ja schon richtig übel grenzwertig, aber es wird noch schlimmer! Das Leiden der Opfer ist fast grenzenlos und wird auch dementsprechend gezeigt. Vor allem Dr. Heiter ist an Wahnsinn kaum zu übertreffen. Chapeau für diese Leistung, Herr Laser! Keine Sekunde merkt man, dass da irgendwas gespielt wird, richtig angsteinflössend.
Ja, eigentlich gibt es nichts weiteres zu erzählen, der Film ist schlicht eine Folter, ein Test für den Zuschauer, ob er zur Fernbedienung greift und abschaltet, denn viel passiert nicht, was die Story anbelangt.
Der Film ist hart, hässlich, grenzwertig, vielleicht auch unnötig und primitiv. Aber genau das machts im Endeffekt irgendwie aus… das Ausloten von Grenzerfahrungen, die das Horrorgenre schon immer ausgemacht haben, das Aufzeigen von Gräuel, zu welchen Menschen fähig sind, das ist der Kern dieses Films. Und von daher macht The Human Centipede vieles richtig, er wagt sich in Sphären vor, die ich nur von Martyrs oder teilweise auch Hostel kenne.
Ansonsten sei nochmals angemerkt, dass ein grosser Pluspunkt Dieter Laser zukommt, weil er seine Rolle, mit der er sich definitiv sämtliche Zusagen für Kinderfilme verspielt hat, extrem realistisch spielt. Von den anderen Rollen kann man das leider nicht behaupten, sie sind alle in irgendeiner Form ersetzbar.
Auch die dichte Atmosphäre kommt dem Film zugute, die teils langatmigen Szenen allerdings eher weniger.
Meine Bewertung ist schwierig. Ich würde sagen, die drei Sterne sind eventuell sogar ein ganz kleines bisschen aufgerundet, weil der Film sich zum einen nicht wirklich klassisch bewerten lässt und zum anderen die positiven und negativen Aspekte schwierig abzuwägen sind.
Übrigens soll 2011 eine Fortsetzung kommen, was ich für absolut unnötig halte.




(3/5)
Tags: Horror, Human Centipede, Krank, Tausendfüssler
