August 19, 2012 0

Prometheus

Von in Meinung

Plato war nicht der einzige, der den Titan Prometheus als Menschenerschaffer tituliert hat. Er war derjenige, der uns laut der griechischen Mythologie aus der Erde erschaffen hat. Allerdings legte er sich eines Tages mit dem Göttervater Zeus an, was dazu führte, dass er von eben jenem zu jahrhundertelanger Qual verdammt wurde. Überdies wurden auch die Menschen bestraft – durch die Büchse der Pandora. Einmal geöffnet entwichen ihre Übel, nur die Hoffnung blieb zurück. Tod und Verderben tobten auf der Erde.

Dieser kleine Abriss zeigt eigentlich schön, um was es in Ridley Scott’s neuem Machwerk eigentlich geht. Prometheus, also der Film, ist die Vorgeschichte zu Scott’s Alien aus dem Jahre 1979. In nicht all zu ferner Zukunft finden Forscher auf der Erde tausende Jahre alte Höhlenmalereien, die allesamt auf eine Planetenkonstellation hinweisen, die irgendwo da draussen im Universum vorhanden sein muss. Einer dieser Planeten soll Leben beherbergen. Und nicht nur einfach irgendeine Lebensform – nein, das wäre ja zu plump! Es soll sich um nichts anderes handeln als die Erschaffer der Menschen selbst. Also macht sich eine Crew von Forschern mit dem Raumschiff «Prometheus» auf den langen Weg dorthin, um eine Antwort zu finden.

Die Mission wird von Vickers geführt (sehr schön gespielt von Chralize Theron). Die eiskalte Blondie hat aber scheinbar andere Pläne als die Schöpfer der Menschheit zu finden. Mit an Bord ist zudem der Cyborg Dabid (auch er grandios gespielt von Michael Fassbender). Auch bei ihm ist man sich nicht so ganz sicher, was denn eigentlich seine genaue Mission ist. Wie dem auch sei, der ganze Spass findet im Auftrag der Weyland Corporation statt; spätestens jetzt sollte es eingefleischten Alien-Fans dämmern… ja es handelt sich um den gleichen Konzern.

Alsbald landet die Truppe denn auch auf ihrem Zielort, einem durch und durch kargen Planeten. Mir nichts, dir nichts parken sie ihr Raumschiff vor einem seltsam anmutenden Objekt, einer Art Kuppel. Es stellt sich heraus, das diese Kuppel früher tatsächlich bewohnt worden war. Von riesigen, menschenähnlichen Geschöpfen. Die Stätte ist jedoch schon seit Jahrhunderten von niemandem mehr betreten worden. Es scheint, als ob diese Ausserirdischen, unsere Erschaffer, von irgendetwas geflüchtet seien, das ihnen ganz schön zu schaffen gemacht hat. Um was es sich dabei handelt, dürfte wohl jedem dämmern.

Die Gefahren in und ausserhalb der Kuppel scheinen auf alle Fälle noch stets allgegenwärtig zu sein, worauf sich die Forschungsgruppe Gedanken macht, von dem Ort abzuziehen. Doch die Geister scheiden sich, da es Leute an Bord gibt, die ihre Fragen unbedingt geklärt haben wollen.

Alles andere möchte ich im Dunkeln lassen, zu viel wäre gespoilert und verraten.

Eine etwas halbgare Kost

Grundsätzlich war ich mit Prometheus zufrieden. den Hype konnte er aber nicht erfüllen, leider. Vielleicht schwenke ich aber zuerst einmal auf die positiven Aspekte und beleuchte diese. Wie schon erwähnt, sind die schauspielerischen Leistungen grundsolide bis sackstark! Fassbender gefällt mir immer mehr. Wie er den Cyborg spielt, ist schlicht genial, er hätte es nicht besser hinkriegen können. Er schafft es, dass man von ihm nie weiss, auf welcher Seite er steht, was er vor hat und wie er tickt, bleibt absolut im Dunkeln.

Das Setting gefällt ebenfalls. Nach dem Trailer habe ich eine Planetenschlacht sondergleichen erwartet, aber der Film hält sich gekonnt und dezent zurück. Der einzige Ort, der wirklich relevant ist, ist diese Kuppel und natürlich das Raumschiff.

Effektmässig wird dem Zuschauer einiges geboten. Die Action stimmt, CGI wird nicht all zu übertrieben eingesetzt. Vor allem war ich aber von den 3D-Effekten überrascht. Diese waren durchs Band clever platziert und wurden beispiellos ins Gesamtkonzept des Filmes integriert. Bitte mehr davon!

Allerdings hat Prometheus auch eine Kehrseite der Medaille. Allen voran gehen da bei mir die klischeebehafteten Charaktere und Dialoge. Es gibt von jedem klassischen Typen mindestens einen Vertreter: der supercoole Schwarze, der angepisste Punk, der Angsthase und so weiter. Das nervt, anders kann man es eigentlich nicht formulieren. Es macht so viel der guten Stimmung kaputt, wenn man sich ständig durch den Kopf gehen lässt, dass das hier einfach irgendwie aufgesetzt wirkt. Gut hingegen fand ich die Rolle von Noomi Rapace, welche die toughe Protagonistin Elizabeth Shaw spielt. Sie erinnert mich irgendwie an Ripley, welche schliesslich DAS Filmvorbild der hart kämpfenden Frau ist.

Um die Dialoge kurz anzusprechen: entsprechend den Charaktertypen sind diese teils auch sehr schwach und lächerlich. Das obligate «Kill me, please! Do it!» kommt ebenso vor, wie peinliche Machosprüche. Alles irgendwie ein bisschen unnötig. Da hätte man besser auf das ein oder andere verzichtet und die Akteure gar nichts sagen lassen, hätte der drückenden Stimmung bestimmt gut getan.

Den grössten Abstrich gibt es allerdings beim Plot. Irgendwie hab ich noch immer das Gefühl, dass da einfach ein paar grössere Brocken in der Geschichte gefehlt haben. Viele Elemente der Story hören schlicht irgendwann auf und verlaufen im Sand. Das ist nicht nur schade, sondern ärgerlich. Zum Beispiel wird der komplette Ansatz der Evolutionstheorie irgendwann an die Wand gefahren und es kommt einem vor, als ob dieser doch zentrale Punkt des Filmes irgendwie völlig irrelevant geworden ist. Zudem wirft das Handeln einzelner Charaktere Fragen auf, weil ihre Aktionen teilweise überhaupt nicht erklärt wird. Einige Zusammenhänge bleiben dabei sehr unlogisch. Vielleicht war der Cutter ja aber auch nur betrunken und wir können uns auf eine Director’s Cut freuen.

Alles in allem ein solider Film, der einen zu packen weiss. Atmosphärisch, düster und im Verlauf der Zeit immer hoffnungsloser in seiner Art. Allerdings fehlt es doch an einigen Kanten. Vielleicht war der Hype ja mal wieder viel zu gross… man sollte da generell etwas zurückschrauben. Wie dem auch sei, Prometheus ist für mich ein gutes, wenn auch irgendwie unnötiges Alien-Prequel.

(3/5)

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