Ich stehe vor der Wahl: schau ich mir einen dieser unzähligen, trashigen Erotikschocker aus den 60ern und 70ern an, oder stehe ich mer auf ausgefeilte Goreeffekte und kübelweise Blut? Der gesunde Menschenverstand sagt: ich will beides! Her mit Piranha!
Zum einen serviert uns Alexandre Aja ein Remake der 78er-Vorlage und zum anderen ist der Herr ja dafür bekannt, nicht all zu zimperlich hinter der Kamera vorzugehen (siehe beispielsweite Haute Tension oder The Hills Have Eyes). Das Resultat ist ein ziemlich schwachsinniges Schlachtfest, das in allen Belangen über die Grenzen des guten Geschmacks hinausschiesst: entweder sind die Körper der Darsteller nicht bekleidet oder total zerfleischt. Warum der Film trotzdem Spass macht, möchte ich versuchen aufzuzeigen. Doch um was geht es eigentlich?
Spring Break! Die Amis drehen durch und die Strände rund um einen kleinen See in den Südstaaten quillt über vor partyhungrigen Studenten. Wohlgemerkt bestehen die Feiernden ausschliesslich aus höchst durchtrainierten Typen und perfekt gebauten Mädels. Die lokale Polizei um Sheriff Julie Forester hat ordentlich was zu tun. Der Einzige, der anscheinend nicht am Feiern ist, ist Julie’s Sohn Jake. Dieser darf nämlich seine zwei kleinen Geschwister hüten. Das ist allerdings halb so wild, denn die Kids sind schnell mit der nötigen Kohle bestochen und schon zieht er mit dem erst kürzlich kennengelernten Pornoproduzenten Derrick Jones auf einer Privatyacht los. Mit an Bord: zwei «Schauspielerinnen» und seine Angebetete, Kelly.
Klingt nach viel Spass und durchgeknallter Teeniekomödie im Stil von American Pie? Naja, fast… wären da nicht die prähistorischen Piranhas, die nach einem Erdbeben aus ihrem unterirdischen See zu hunderten der Freiheit entgegenschwimmen und alles fressen, was sich im Wasser befindet. Hach, warum muss auch immer irgend ein Ungetüm auftauchen und die ganze Szenerie versauen?
Sporadisch fallen den Fischchen nach und nach Personen zum Opfer. Richtig hässlich wird es dann, wenn die Viecher den Strand mit den Studenten erreichen!
Nun, der Film ist tatsächlich so simpel gestrickt, wie er klingt. Aber hey: Stumpf ist Trumpf! Verschwindet in euer Loch, werte Filmkritiker, welche Piranha schlechte Noten geben, weil die Story keinen Sinn macht! Das hier ist Trashkino auf ganz hohem Nivau! Genau so muss eine Hommage an einen Klassiker aussehen… Frauen verkommen zu Sexobjekten, die Naivität der Jugendlichen bringt ihnen den Tod, böse Killermaschinen tauchen einfach aus dem Nichts auf. Hier wurde auf jedes Detail geachtet und auch entsprechend solide umgesetzt. Dabei ist Piranha keinesfalls ein billiger Aufguss oder gar eine lieblose Neuverfilmung, das merkt man schon am Cast. So ist beispielsweise das erste Opfer der Piranhas Richard Dreyfuss, der seineszeicher damals gegen den weissen Hai gekämpft hat… verdammt, der Typ hats definitiv nicht mit Wasserlebewesen. Oder da wäre Christopher Lloyd, der einen kauzigen Wissenschaftler spielt, wie er es auch schon in der Back to the Future Trilogie tat. Und auch Vingh Rhames gibt sich die Ehre als Polizist. Lustig, kennt man ihn doch hauptsächlich in Rollen als böser Bube.
Nun noch die abschliessende Frage: Gore? Oh ja, Gore! Piranha wurde als blutigster Film aller Zeiten angekündigt, diversen Quellen zufolge wurden rund 300’000 Liter Kunstblut verwendet, das ist Rekord! Allerdings ist die Zahl ein wenig Schleierhaft, denn das Meiste davon dürfte für die Einfärbung des Sees draufgegangen sein. Trotzdem gehts ganz schön heftig zur Sache, die Piranhas kennen kein Pardon und Alexandra Aja erst recht nicht. Im Grossen und Ganzen eine ziemlich hässliche Sauerei, aber auch das gehört dazu.
Einziges Manko für mich: 3D! Ich find den Trend ja witzig, aber es mangelt mir leider immernoch an der nötigen Qualität und den «Wow-Effekten». Besonders wenn ein Film explizit als 3D angekündigt wird, erwarte ich eigentlich ein bisschen mehr, als nur ein paar nett gemachte plastische Tiefen.




(4.5/5)
Tags: 3D, Alexandre Aja, Blut, Gore, Horror, Piranha, Remake, Trash
