Es eine kleine Pause zu nennen wäre schon fast ein wenig vermessen, habe ich doch schon seit Monaten nichts mehr in meinen kleinen, feinen Blog geschrieben. Ich entschuldige mich mit der banalen Ausrede einer kreativen Schaffenspause. Damit dürften hoffentlich alle Skeptiker und notorischen Drängler eine plausible Antwort haben. Nun, bevor ich jetzt ausführlich von meinem bisherigen 2011 berichte, möchte ich eigentlich nur eine kleine Station in dem durchaus turbulenten Jahr anschneiden.
Das Jahr hat gut angefangen… sehr gut! Den April und Mai habe ich im sonnigen Malaga und im beschaulichen Cadiz an der spanischen Südküste in Andalusien verbracht. Primär ging es mir darum, der spanischen Sprache mächtig zu werden und, ich gebe es ja zu, mal ein wenig zu entspannen und andere Tapeten aufzuziehen. Eine Sprache zu lernen ist dann wohl am einfachsten, wenn man darin eintaucht, sich damit umgibt und aktiv Gespräche sucht. Da letzteres unter Umständen schwierig war, habe ich, nebst Büchern wälzen, an und wann auch spanische Filme geschaut. Zugegeben, der Kinofleck Spanien ist mir bis anhin nicht wirklich ins Auge gestochen, aber nachdem der ein oder andere iberische Streifen über meinen Bildschirm geflackert ist, muss ich ganz klar sagen, dass aus der Ecke einige wirklich lohnenswerte Perlen zu finden sind.
Hiermit möchte ich einige dieser Perlen (obwohl, einige davon wird man bestimmt kennen) vorstellen. Es sind nicht unbedingt alles Filme aus Spanien, sondern teilweise auch aus Südamerika. Ich werde diese Liste beliebig fortsetzen, je nach dem, was mir noch in die Finger kommt.
Y tu mama también
Ein klassischer Teeniefilm, denkt man sich, wenn Y tu mama también schaut. Der Film erzählt die Geschichte zweier Freunde, die das grosse Abenteuer des Lebens suchen. Dass da die Liebe, eine ordentliche Portion Sex und das Erwachsenwerden eine Rolle spielen, liegt bei zwei jungen Schnöseln auf der Hand. Eben jenes Abenteuer finden die Beiden in einer weitaus älteren Frau, welche sie zu einem Roadtrip zu einem entlegenen, wunderschönen Strand begleitet. Dass das Reiseziel frei erfunden ist, wissen natürlich nur die beiden Jungs. Unterwegs passiert dann, was halt passieren muss: eine Odyssee von Sex, Liebe, Misstrauen und Freundschaft beginnt. Der Film zeigt dabei genreuntypisch viel Gefühle und Tiefgang und entwickelt sich zu einer Tragikomödie, die zum Nachdenken anregt. Insbesondere der grandiose Schluss rundet den sonst schon starken Film ab.
Amores Perros
Drei Geschichten, ein Film und alles dreht sich um Hunde. Klingt skurril, ist es irgendwie auch. Alles beginnt mit einem fatalen Autounfall, der einen wilden Ritt durch drei völlig unterschiedliche Storylines einläutet. Kampfhunde, Schosshündchen, des Menschen bester Freund… so könnte man die drei Teile grob aufsplitten. Das wirre Zusammenspiel lässt den Zuschauer erst mal im Dunkeln stehen, kombiniert dann aber gekonnt die Puzzleteile zu einem kompletten Bild. Amores Perros ist wild, actiongeladen, eigenständig aber auch sensibel, ruhig und gefühlvoll. Es mag durchaus Genrevertreter geben, die ähnliche Konzepte aufgreifen (Stichwort Guy Ritchie Filme), aber die konsequente Abwechslung von hart und weich, schnell und langsam und das geniale Strickmuster der Story, sowie das gelungene Setting und die überzeugenden Schauspieler (Gael Garcia Bernal in einer Hauptrolle ist grandios… spielt übrigens auch in y tu mama también mit) sind meiner Meinung nach einzigartig.
Matando Cabos
Auch Matando Cabos spielt mit mehreren Storylines und kombiniert diese gegen den Schluss, gesalzen mit ein paar bitterbösen Szenen und einigen wirklich grandiosen Stunts. Vieles hat man bereits in anderen Filmen in irgend einer Art gesehen, auch hier wage ich den direkten Vergleich mit Snatch, zumindest was die Machart betrifft. Skurrile Gestalten, eine rasant erzählte Geschichte, viel schwarzer Humor und der «europäische Charme» machen Matando Cabos durchaus sehenswert.
Sin Nombre
Ein etwas schwer zu schluckender Brocken. Sin Nombre erzählt die Geschichte von el Casper der brutalen MS-13, welcher einen Zug mit Flüchtlingen überfallen soll. Vorbefangen durch tragische Vorfälle in der Gang wendet er sich dann aber gegen seine Verbündeten und begleitet die Flüchtlinge auf ihrer Reise in die USA, ständig mit der Angst im Nacken, jederzeit von seinen ehemaligen Kollegen geschnappt (und getötet) zu weden. Im Zug lernt er Sayra und deren Familie kennen, schon bald entwickelt er Gefühle für sie. Sin Nombre ist eine tragische Angelegenheit, mit sehr viel Liebe zum Detail versehen. Der Film stellt die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Wechselbad von gut und böse in geschickter Weise dar. Die gesellschaftskritische Note verleiht der Erzählung zudem ihren letzten Schliff.
Rec / Rec 2
Blair Witch Project war der erste Genrevertreter, der sich der First-Person-Perspektive bediente. Billige Kopien gibt es wie Sand am Meer. Rec bildet hierbei eine Ausnahme, weil er zum einen das stilistische Mittel der Amateurkamera nicht übertreibt und es in diesem Fall wirklich sehr schön zur Geltung kommt. Vorneweg: Rec ist definitiv nichts für zartbesaitete Zeitgenossen, der Gewaltgrad hält sich zwar in Grenzen, aber die Schockmomente sind richtig hart! Die Story ist erwartungsgemäss relativ simpel… ein Fernsehteam begleitet eine Feuerwehreinheit zu einem hermetisch abgeriegelten Haus, in dem eine Seuche ausgebrochen sei. Nächstes Stichwort: Zombies! Das wärs eigentlich im Groben. Keine wahnsinnig kreative Ideenexplosion, aber dafür genial umgesetzt. Ich wage zu behaupten, noch nie im Kino dermassen meine Finger in die Sitzlehne gekrallt zu haben als bei Rec. Die Schockeffekte sind durchaus etwas vom besten und härtesten, was ich je gesehen habe. So richtig in sich hat es allerdings das Finale… total verstörend, permanentes kalt-den-Rücken-runterlaufen inklusive. Der zweite Teil schlägt ungefähr in die selbe Kerbe und ist ebenfalls zu empfehlen.
También la lluvia
Vorneweg: ich habe den Film auf Spanisch mit holländischen Untertiteln gesehen, von dem her hoffe ich mal das möglichst Beste wiederzugeben. Im Film gibt es eigentlich zwei Storylines. Zum einen das engagierte Filmteam, welches in Bolivien einen Film über Christoph Kolumbus drehen will und zum anderen die Missstände vor Ort, da das Wasser in jenem Gebiet verstaatlicht werden soll. Da viele lokale Statisten in dem Film mitspielen, wird das Team mehr und mehr in die Geschehnisse verstrickt und findet sich schon bald in einem wahren Krieg zwischen Autoritäten und Bevölkerung wieder. Die Frustration einiger Teammitglieder schwanken über zu Engagement und Sympathie zu den gebeutelten Bewohnern. Das unglaubliche daran: der Film basiert auf Tatsachen!
Secuestrados
Ein bitterböses Machwerk! Eine Familie zieht um und noch bevor die letzten Kartons ausgeräumt wurden, stehen schon die ersten Einbrecher im Wohnzimmer. Ab hier beginnt eine gnadenlose Spirale der Gewalt und des Terrors. Es fällt einem manchmal fast schon schwer, die Augen dem Geschehen auf der Leinwand zu widmen. Wer auf Filme im Stil der jüngsten französischen Horrorwelle steht, darf Secuestrados mit bestem Gewissen seine Aufmerksamkeit schenken.
Tags: spanische Filme