Heureka! Auch ich lebe noch. Grund für meine Abstinenz waren ein Umzug und, um mal die Katze aus dem Sack zu lassen, ein eigenes Filmprojekt (dazu aber zu passender Gelegenheit mehr). Aber hey, wem bin ich überhaupt Rechenschaft schuldig? Wie dem auch sei, lassen wir meine Erklärungsnot, und verbannen wir meinen inneren Rebellen wieder in seine dunkle Ecke, und widmen uns dem wichtigeren Part dieses Posts: Inception!
Der Trailer war beim ersten mal schauen schon richtig stark! Alleine schon die Tatsache, dass Leonardo DiCaprio mitspielt und der Spass von Christopher Nolan verfilmt wird, gab gewisse Qualitätsanzeichen. Komischerweise ging ich dann doch ein wenig skeptisch ins Kino. Grund dafür war, dass ich einen brutal langatmigen, anstrengenden, aber durchaus spannenden Mindfuck erwartete… und genau dafür war ich irgendwie ganz und gar nicht in Stimmung. Einige Stunden später ging ich dann aber trotz allem voller Freude nach Hause. Warum das Ganze? Tja, weil Inception irgendwie ein kleines Meisterwerk ist!
Die Story ist nicht so heftig kompliziert, wie viele befürchtet haben, den roten Faden verliert man nie. Ausser vielleicht, man gehört zu der Gattung Kinogänger, die für Twilight oder Alvin und die Chipmunks Geld ausgeben. Ja doch, solche Leute werden spätestens nach dem Intro einen Hirn-Overflow erleiden und den Film mit «Och, der Leo ist halt schon süss!» abstempeln. Herrje, ich drifte schon wieder vom eigentlichen Thema ab…
Was soll ich zur Story erzählen? Das Ganze sinnvoll in ein paar Sätze zu verpacken ist kaum möglich, da die Strukturen dann halt doch etwas zu komplex sind. Vielleicht hilft ein kurzer Anriss:
Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Traumdieb, wenn man so will. Er hat die Fähigkeit, Infos aus Leuten «rauszuholen», indem er sich in deren Träumen bewegt. Ein neuer Auftrag bringt jedoch ein völlig neues Level von Traumwandelei: einem Klienten soll ein Traum, resp. ein Gedanke, eingepflanzt werden. Dass eine effiziente Verarbeitung des Gedankenguts möglich ist, wird allerdings tiefer als der eigentliche Traum gegangen: die Protagonisten wagen sich in den Traum des Traumes und noch viel weiter vor. Die Gefahr, in einem Traum gefangen zu bleiben, wird indes immer grösser. Als Nebenstrang, aber nicht minder unwichtig, gibt es da noch Cobb’s verstorbene Frau, die in der allertiefsten Ebene aller Träume gefangen ist, dem sogenannten Limbo. Klingt komisch, ist aber so! Schwierig zu erklären, meines erachtens nach. Allen, die auch nach dem Film noch keinen Plan haben: durch die Blogsphäre kursiert mittlerweile eine ziemlich cool gemachte Timeline.
Erstens mal, ganz vorneweg: DiCaprio überzeugt! Der Kerl macht einfach alles richtig. Gut, er spielt immer irgendwie den verkorksten, pessimistischen Typen, der alles und jeden verloren hat (Shutter Island, Blood Diamond, Body of Lies, The Departed… na, dämmerts?); nur spielt er diese Rollen jeweils so dermassen gut, von mir aus kann er ruhig so weitermachen.
Zweitens: die frischen Ideen machen den Film zu etwas speziellem. Wenn schon Science-Fiction, warum soll sich die Thematik dann nicht in Träumen von Menschen abhandeln? Eine solide Idee, die auch dementsprechend umgesetzt wurde!
Drittens: Drive! Der Film geht ordentlich ab und dreht schon von Anfang an richtig auf! Das schönste daran ist aber, dass der Film keinesfalls abstumpft und zum stupiden Actionkracher mutiert. Die Intelligenz bleibt, die Cleverness der Machart und die ausgewogenen, durchdachten Settings bleiben Grundsolide, bis zum Schluss.
Viertens: Der Schluss an und für sich! Wegen solchen Szenen bin ich ein Filmliebhaber! die letzten 3 Sekunden von Inception werfen alles, aber wirklich komplett alles, was geschehen ist, über den Haufen. Interpretationsraum entsteht binnen kürzester Augenblicke und zack, schon flimmert der Abspann über die Leinwand. Die Antwort muss sich der Zuschauer selber geben. Grandioses Finale, in der Art schon lange nicht mehr gesehen.
Fünftens: Der Soundtrack! Hans Zimmer… Punkt! Schlicht und einfach überwältigend und bombastisch.
Für alle, die offen sind für Neues, eventuell auch spezielles, denen möchte ich Inception unbedingt ans Herz legen!




(4.5/5)
