Oktober 24, 2010 0

Despicable Me

Von in Meinung

Despicable Me

Gru ist böse, ein fieser Schuft, der nur Diebstahl und Leidwerk im Kopf hat. In seiner Branche gehört er seit jeher zu den ganz grossen Nummern, doch auch er wird von den jungen Wilden langsam aber sicher verdrängt. Spätestens seit dem Klau der Cheopspyramide durch den Schnösel Vector, der durch diese Aktion den Titel als «gerissenster Schurke der Welt» inne hat, sieht sich Gru gezwungen, in neue Sphären vorzustossen. Sein Clou: den Mond klauen! Als begeisterter Hobbyastronaut und mit dem nötigen Werkzeug (ein Schrumpfstrahl). Fehlt es also nur noch an den Finanzen, die Bank des Bösen will aber nur Kohle locker machen, wenn besagter Schrumpfstrahl in Gru’s Besitz ist. Dieser wird dann kurzerhand von Asiaten geklaut, fällt aber ausgerechnet dem schleimigen Vector in die Hände. Jetzt gilt es für Gru, sich die Wunderwaffe irgendwie wieder zu krallen, was angesichts der schwer bewachten Festung von Vector gar nicht so einfach ist. Da kommen ihm drei kleine Waisenmädchen, die mit Keksen von Haus zu Haus ziehen, gerade recht.

Ich unterbreche kurz, denn bis hierhin ist der Film wirklich super! Gru ist ein asozialer Oberkotzbrocken, der mit seinen fiesen Aktionen das Publikum zum Lachen bringt. Dazu seine durch und durch skurril eingerichtete Behausung, sein völlig übertriebenes Raketenfahrzeug und die irrwitzigen Minions, kleine, gelbe Helferlein, die schusseliger nicht sein könnten. Leider gibts im Film einen ziemlich drastischen Schnitt, wenn die Mädchen ins Spiel kommen. Weil alles, was fortan passiert, orientiert sich irgendwie immer am Schema F: Gru benutz die Mädchen, um an den Schrumpfstrahl zu kommen, Gru regt sich auf, Mädchen auch, Mädchen wachsen Gru ans Herz, Mädchen müssen wieder zurück ins Heim, Gru hat Gewissensbisse, Mädchen kommen zurück, alle sind glücklich, Happy End.Nichts für ungut, der Streifen macht Spass, ist fürs Animationsgenre überdurchschnittlich gut und zeigt auch durchaus neue Ideen, aber es wird im Endeffekt zu wenig gewagt. Es ist einfach schade, wenn man jede einzelne Szene irgendwie voraussehen kann und das Unterbewusstsein ständig anklopft und meldet, dass man Gesehenes irgendwo anders in ähnlicher Form schon einmal gesehen hat. Auch die Figuren sind, nebst Gru, nicht wirklich toll… man hat die netten Mädchen, den nervenden Gegenspieler und ein paar dümmliche Nebencharaktere.

Den grössten Abzug gibts daher auch, weil der Film halt «nur ein Film» ist. Es gibt in diesem Genre viel Besseres, fairerweise aber auch viel Schlechteres. Obere Mittelklasse würd ich dem Despicable Me geben.

Eine Szene ist übrigens grandios: Als Gru in die Bank des Bösen eintritt, steht über der Tür «Former: Lehman Brothers». Solche Sachen hätte ich mir mehr gewünscht.

(2.5/5)

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