November 11, 2010 1

Buried

Von in Meinung

Buried

Kurze Lernstunde vorneweg:

Klaustrophobie (lat. claustrum «Käfig», gr. φόβος phóbos «Furcht», «Phobie»), in der Fachsprache auch Raumangst genannt, ist eine spezifische («isolierte») Angststörung. Sie äussert sich bei Betroffenen als Angst vor dem (selbst wenn nur gefühlten) Eingesperrtsein, oder vor der blossen Präsenz in engen/abgeschlossenen Räumen.

Gut, jetzt wisst ihr Bescheid. Doch wie muss sich ein klaustrophobischer Zustand anfühlen? Die Antwort darauf heisst Buried!

Paul Conroy (Ryan Reynolds) ist schon ein armes Schwein. Als Fahrer im Irak für eine private Firma denkt er sich nichts Böses, als sein Laster plötzlich von Aufständischen überfallen wird. Ab hier an Blackout… das alles passiert im Off. Als er aufwacht, findet er sich in einem Holzarg wieder, tief unter der Erde vergraben. Die Typen haben in doch tatsächlich bei lebendigem Leib verbuddelt!

Seine Utensilien, die er zur Hand hat: ein Sturmfeuerzeug, ein Handy mit arabischen Zeichen, dessen Akku langsam aber sicher zur Neige geht, ein Schreibstift, eine Taschenlampe, zwei Leuchtstäbe und was er an Medikamenten auf sich trägt.

Er fängt an zu telefonieren, versucht es bei seinem Arbeitgeber, seiner Frau, Behörden in den USA, sowie im Irak. Doch alle scheinen irgendwie gegen ihn zu spielen und seine Zeit (und somit der Sauerstoff) wird immer knapper.

Der Film spielt ausschliesslich in besagtem Sarg! Ja, richtig gelesen… sämtliche Personen, die am Telefon sind, hört man lediglich aus dem Off, der Fokus liegt einzig und allein auf Ryan Reynolds, der einen wahnsinnig guten Job macht. Das Wechselbad von Panikzuständen über grenzenlose Wut bis hin zu erlösenden Hoffnungsschimmern ist kaum erträglich, da man sich zum einen niemals in einer solchen Situation selber wiederfinden möchte und, wie erwähnt, Reynolds seinem Charakter unglaublich viel Glaubhaftigkeit schenkt. So gibt ihm beispielsweise ein Typ im Irak die Zuversicht, dass er gerettet wird, einige Minuten später kündet ihm sein Chef via Telefon den Job, damit keine Klage erhoben werden kann. Ich meine, das letzte, was man braucht, wenn man lebendig begraben wurde, ist eine Kündigung, oder?

Grandios ist übrigens auch die minimalistisch eingesetzte Hintergrundmusik, die nur bei Spannungsmomenten richtig einsetzt. Der Film hat durch das noch mehr Tiefe.

Sicher nicht jedermanns Sache, was sich auch durch das Raunen im Kinosaal nach dem Abspann bemerkbar machte (ein toller Kommentar auf Youtube: «this is an art piece, and if you don’t get it, then you wouldn’t be able to be critics.»). Für meinen Teil war ich auf alle Fälle gut bedient, da die Idee zum einen speziell und zum anderen auch bis zum Extremen ausgereizt wurde. Die verscharrte Uma Thurman in Kill Bill Vol.2 ist ein Witz dagegen.

(4/5)

Tags: , , ,

ein Kommentar zu “Buried”

  1. Nischi sagt:

    Muss ich mal schauen, klingt sehr spannend und schräg. Das passt :)

Hinterlasse einen Kommentar